
Kopf, Körper, Klarheit, wie mentale Kraft Leistung prägt
30. April 2026Im Rahmen des Mental Health Month rücken wir im Mai die mentale Gesundheit im Sport in den Fokus. Denn obwohl häufig über Leistung, Disziplin und Erfolge gesprochen wird, bleibt das, was mental hinter diesen Leistungen steht, oft unsichtbar. Dabei beeinflusst die psychische Verfassung maßgeblich, wie Athlet:innen mit Druck, Erwartungen und Belastungen umgehen. Mentale Gesundheit ist deshalb weit mehr als ein ergänzender Faktor im Sport. Sie bildet die Grundlage dafür, langfristig leistungsfähig, fokussiert und emotional stabil zu bleiben. Besonders dort, wo mentale Prozesse bewusst wahrgenommen und ernst genommen werden, entsteht die Fähigkeit, Herausforderungen gesünder zu bewältigen und auch in schwierigen Phasen handlungsfähig zu bleiben.
Niederlagen, Verletzungen, Leistungsdruck oder unerwartete Rückschritte gehören sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport zum Alltag und lassen sich kaum vermeiden. Dennoch wird der Umgang mit solchen Erfahrungen häufig erst dann thematisiert, wenn die mentale Belastung bereits deutlich spürbar ist. Während einige Athlet:innen gezielt Strategien entwickeln, um Rückschläge zu verarbeiten und langfristig Resilienz aufzubauen, fehlt im sportlichen Umfeld oft noch ein offener Umgang mit psychischen Herausforderungen und individuellen Bewältigungsprozessen. Gleichzeitig zeigen Erfahrungen aus dem Sport, dass mentale Stärke nicht bedeutet, keine Krisen zu erleben, sondern nach schwierigen Phasen wieder Stabilität zu finden, aus Erfahrungen zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Genau darin liegt die Bedeutung von Resilienz: die Fähigkeit, mit Druck, Unsicherheit und Belastung konstruktiv umzugehen und langfristig psychisch gesund zu bleiben.
In unseren aktuellen vier Podcastfolgen beschäftigen wir uns deshalb mit mentaler Gesundheit aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei wird deutlich, wie wichtig Aufklärung, Prävention und ein offener Umgang mit psychischen Belastungen sind, welche Auswirkungen Druck und Erwartungen auf Athlet:innen haben und warum Selbstfürsorge sowie individuelle Strategien im Umgang mit Belastung immer wichtiger werden.
Den Einstieg macht Folge 130, in der wir über Depression, Entstigmatisierung und Frühprävention sprechen. Anschließend richtet Folge 131 den Blick auf die mentale Seite des Leistungssports und zeigt, welche psychischen Belastungen mit Leistungsdruck und sportlichen Erwartungen verbunden sein können. Folge 132 beschäftigt sich mit mentaler Gesundheit im Ehrenamt und verdeutlicht, wie wichtig Selbstfürsorge und klare Grenzen für langfristiges Engagement sind. Zum Abschluss thematisiert Folge 133 den Einfluss des weiblichen Zyklus auf sportliche Leistungsfähigkeit und zeigt, wie stark individuelle körperliche Prozesse Training und Belastung beeinflussen können.
Leistung, Druck und Selbstfürsorge – Was wir aus den vier Folgen mitnehmen können
Mentale Gesundheit beeinflusst den Sport weit über einzelne Wettkämpfe oder Belastungssituationen hinaus. Unsere vier aktuellen Podcastfolgen machen deutlich, wie eng psychisches Wohlbefinden, sportliche Leistung und persönliche Lebensrealitäten miteinander verbunden sind und warum mentale Gesundheit zunehmend als zentraler Bestandteil nachhaltiger Entwicklung im Sport verstanden werden muss.
Dabei wird klar, dass mentale Belastungen in ganz unterschiedlichen Kontexten entstehen. Während im Leistungssport vor allem Druck, Erwartungen und Leistungsbewertung eine zentrale Rolle spielen, zeigen sich psychische Herausforderungen auch im Ehrenamt, im gesellschaftlichen Umfeld oder in persönlichen Krisensituationen wie Depressionen. Gleichzeitig wird deutlich, dass mentale Stärke nicht bedeutet, dauerhaft belastbar zu sein oder Schwierigkeiten zu verdrängen. Vielmehr geht es darum, Belastungen frühzeitig wahrzunehmen, Unterstützung anzunehmen und gesunde Strategien im Umgang mit Herausforderungen zu entwickeln.
Über die einzelnen Folgen hinweg zeigt sich außerdem die große Bedeutung von Prävention, Aufklärung und Entstigmatisierung. Offene Gespräche und ein bewusster Umgang mit mentalen Belastungen schaffen die Grundlage dafür, psychische Herausforderungen besser einzuordnen und langfristig gesünder zu bewältigen. Gleichzeitig wird deutlich, dass mentale Gesundheit individuell erlebt wird und deshalb auch individuelle Lösungen, Unterstützungssysteme und flexible Strukturen erfordert.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Rolle von Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge. Ob im Leistungssport, im Ehrenamt oder im Umgang mit körperlichen Prozessen wie dem weiblichen Zyklus, die stabile mentale Gesundheit entsteht dort, wo Menschen lernen, eigene Grenzen wahrzunehmen, Warnsignale ernst zu nehmen und bewusster mit ihren Ressourcen umzugehen. Genau daraus entwickelt sich Resilienz: die Fähigkeit, trotz Belastungen stabil zu bleiben, Rückschläge zu verarbeiten und langfristig gesund zu handeln.
👉 Unsere Empfehlung ist deshalb, in die vier Folgen reinzuhören und unterschiedliche Perspektiven mitzunehmen. Denn erst wenn psychische Gesundheit selbstverständlich mitgedacht wird, kann Sport langfristig nicht nur leistungsfördernd, sondern auch gesundheitsfördernd wirken.
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130 - Depression verstehen – Wege zur Heilung und Entstigmatisierung
Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft, und ihre Ursachen sind vielfältig. Obwohl heute deutlich mehr über das Thema gesprochen wird als noch vor einigen Jahren, werden Betroffene häufig weiterhin stigmatisiert oder wissen selbst zu wenig über die Krankheit, um angemessen damit umzugehen.
Als Einstieg in unser Monatsthema „Mental Health“ sprechen wir mit Selbsthilfe-Coach Julia Schmalfuß vom Leipziger Bündnis gegen Depression. Der gemeinnützige Verein entstand 2013 aus einem europäischen Forschungsprojekt und engagiert sich seither in der Aufklärung sowie Beratung. Er bietet Unterstützung auf dem Weg zur Selbsthilfe – sowohl für direkt Betroffene als auch für indirekt Betroffene wie Angehörige oder Arbeitgeber.
Ein wichtiger Baustein der Arbeit ist die Frühprävention. Denn etwa 25 % der Kinder in Deutschland leiden bereits unter psychischer Belastung. Je früher hier angesetzt wird, desto besser sind die Chancen, vorzubeugen oder effektiv zu helfen. Deshalb arbeitet der Verein auch mit Schulen zusammen, um Kinder dafür zu sensibilisieren, erste Anzeichen einer Depression zu erkennen, und Hemmschwellen abzubauen, sich jemandem anzuvertrauen und Hilfe zu suchen.
Auch Sport kann einen wichtigen Beitrag zur mentalen Gesundheit leisten: Er bietet die Möglichkeit, aus belastenden Gedankenspiralen auszubrechen und gestärkt in den Alltag zurückzukehren.
Für Julia und ihr Team steht fest: Psychische Erkrankungen sollten in unserer Gesellschaft genauso ernst genommen und behandelt werden wie körperliche Erkrankungen – ohne Stigmatisierung.
131 – Grenzenlos belastet: Die mentale Seite des Leistungssports
Mehr als jede vierte erwachsene Person in Deutschland erfüllt heute die Kriterien für eine psychische Störung – Zahlen, die beunruhigen und aus unterschiedlichen Gründen weiter steigen. Für uns ist das Anlass, diesen Monat ganz dem Thema Mental Health zu widmen.
Sport kann nachweislich dabei helfen, mentale Stärke aufzubauen und die psychische Gesundheit aktiv zu fördern. Doch je ambitionierter es in Richtung Leistungssport geht, desto stärker nehmen auch der persönliche und äußere Erwartungsdruck und weitere mentale Herausforderungen zu. Damit einher gehen oft problematische Entwicklungen, die die psychische Belastung erhöhen können. Wettkampfangst, Essstörungen, Depressionen oder Identitätsprobleme sind nur einige der Symptome, unter denen Sportler:innen vermehrt leiden.
Zu Gast ist Dr. Benedikt Bradtke. Er ist Oberarzt für psychische Gesundheit an der Uniklinik Münster und bringt zudem eigene Erfahrungen aus dem Leistungssport mit.
Gemeinsam sprechen wir darüber, wie sich mentaler Druck und Belastung auf die Psyche auswirken, ab wann diese ungesund werden können und wie sich das auf die Leistungsfähigkeit auswirkt. Neben Copingstrategien im Umgang mit psychischen Symptomen und Erkrankungen geht es auch um deren Prävention. Dabei hebt Benedikt einen zentralen Punkt hervor, dem wir uns auch bei Spomind gezielt widmen: die Aus- und Weiterbildung von Trainer:innen. Denn sie sollten sowohl für sich selbst als auch im Umgang mit ihren Athlet:innen besser für mentale Gesundheit sensibilisiert und geschult werden.
132 - Brennen ohne auszubrennen: Mental gesund im Ehrenamt
Das Ehrenamt ist eine der wichtigsten Säulen der deutschen Vereinslandschaft und Zivilgesellschaft. Ohne die zahlreichen freiwilligen und unbezahlten Helfer:innen würde vieles im Sport – aber auch in vielen anderen Lebensbereichen – nicht funktionieren. Gleichzeitig geht mit ehrenamtlichem Engagement oft eine erhebliche Verantwortung und ein entsprechender mentaler Druck einher. Nicht selten droht die freiwillige Tätigkeit zur Pflicht oder sogar zur Aufopferung zu werden.
Dabei sollte ein Engagement im eigenen Interessensfeld vor allem Freude bereiten, Abstand schaffen und Erholung vom oft stressigen Berufsalltag oder familiären Verpflichtungen bieten. Nicht Pflichterfüllung, sondern das Erleben von Selbstwirksamkeit wirkt sich langfristig positiv auf die eigene Psyche aus.
Vor diesem Hintergrund möchten wir Euch heute zwei Programme vorstellen, die genau dieses Ziel verfolgen: das Programm „Gesund durchs Ehrenamt“ der MKK (Meine Krankenkasse) sowie unseren eigenen Spomind-Präventionskurs. Beide Angebote sind Online-Kurse, die unterschiedliche Lebenssituationen von ehrenamtlich Engagierten berücksichtigen und gezielt darauf eingehen.
Zunächst begrüßen wir Hannes Sack von der MKK und Manuel Voigt vom Institut für Gesundheit und Management (IfG). Grundlage ihres Programms ist eine Umfrage unter ehrenamtlich tätigen Menschen. Dabei zeigte sich, dass insbesondere die Themen Druck, Stress und mentale Gesundheit als große Herausforderungen wahrgenommen werden. Viele Befragte äußerten in diesem Zusammenhang den Wunsch nach Unterstützung und Beratung.
Der Kurs „Gesund durchs Ehrenamt“ folgt dabei einem klaren Leitsatz: Wer sich aktiv um andere kümmern möchte, muss zunächst auch gut für sich selbst sorgen. Auch unser Spomind-Präventionskurs zur mentalen Gesundheit setzt genau hier an. Beide Kurse vermitteln, wie das, wofür Du brennst, zur Kraftquelle werden kann – und nicht zur zusätzlichen Belastung.
133 - Zyklusbasiertes Training: Leistungsfähig im Einklang mit dem Zyklus
Anlässlich des internationalen Women’s Health Day widmen wir uns in einer Sonderfolge einem Thema, das direkt etwa die Hälfte der Menschheit betrifft – und indirekt unsere gesamte Gesellschaft: dem weiblichen Zyklus. Gerade im Sport spielt dieses Thema körperlich wie mental eine zentrale Rolle. Mit der Periode gehen nicht nur individuell unterschiedliche Beschwerden einher, sie beeinflusst auch die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit – sowohl im Training als auch im Wettkampf.
Trotzdem wird dieser Aspekt bis heute häufig heruntergespielt, vernachlässigt und noch immer viel zu wenig erforscht sowie im Alltag berücksichtigt. Die sportwissenschaftliche Forschung orientiert sich nach wie vor überwiegend am männlichen Körper – ein Zustand, den es dringend zu verändern gilt.
Für diese Folge haben wir uns deshalb eine Expertin eingeladen, die angewandte Sportpsychologin und Doktorantin an der Uni Freiburg Elena Breyer. Gemeinsam mit Elena sprechen wir darüber, wie sich hormonelle Schwankungen auf die Leistungsfähigkeit auswirken, wie Frauen ihr Training an den individuellen Zyklus anpassen können und wie sich auch in Wettkampfsituationen ein bestmöglicher Umgang finden lässt.
Dabei sind auch Trainer:innen gefragt: Denn Bestleistungen sind keineswegs nur an „günstigen“ Zyklustagen möglich. Oft entscheidet die mentale Herangehensweise darüber, ob man die Situation akzeptiert, sich gut vorbereitet und konstruktiv damit umgeht – oder sich zusätzlich selbst blockiert. Offene Kommunikation rund um die Periode ist dabei essenziell. Laut Elena sollte der Hormonstatus ein ebenso relevanter Faktor sein wie Herzfrequenz oder andere Messwerte, die im Trainings- und Wettkampfalltag berücksichtigt werden.
Zum Abschluss räumen wir außerdem mit einigen Mythen und Fehlannahmen rund um den Zyklus auf. Denn noch immer kursieren zahlreiche Halbwahrheiten und steile Thesen über die Pille, Hormone und ihre Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit, sowie den Einfluss von Sport und Bewegung auf das eigene Befinden




