
Mehr als Taktik und Tore: Was die Fußball-WM über mentale Stärke zeigt
30. Juli 2026Im August stand bei SpoMind alles im Zeichen von Spiritualität und Atmung. Der Atem begleitet uns in jedem Training, in jedem Wettkampf und in jeder angespannten Situation – meistens, ohne dass wir bewusst über ihn nachdenken. Genau darin liegt seine Besonderheit: Atmung läuft automatisch und lässt sich gleichzeitig bis zu einem gewissen Grad gezielt beeinflussen.
Im September gehen wir einen Schritt weiter und fragen: Wer bin ich ohne meinen Sport? Auf den ersten Blick wirken Atmung und Identität wie zwei getrennte Themen. Beide führen jedoch nach innen. Sie laden uns dazu ein, Körper, Gedanken, Gefühle und Werte bewusster wahrzunehmen – und Stabilität nicht nur aus Leistung, Ergebnissen oder einer sportlichen Rolle zu beziehen.
Bewusstes Atmen ist kein Wundermittel und kein automatischer Leistungsbooster. Studienübersichten deuten jedoch darauf hin, dass ruhige Atemübungen das subjektive Stresserleben etwas reduzieren können. Im Sport kann der Atem deshalb vor allem ein leicht zugänglicher Anker sein: kurz innehalten, die eigene Aktivierung wahrnehmen und den nächsten Schritt bewusster wählen.
Auch Spiritualität muss dabei nicht religiös verstanden werden. Sie kann sich in Achtsamkeit, persönlichen Werten, Ritualen, Verbundenheit oder der Frage nach Sinn zeigen. Entscheidend ist nicht, eine bestimmte Methode zu bewerten oder Leistung allein damit zu erklären. Es geht darum, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und herauszufinden, was den einzelnen Menschen wirklich trägt.
In unseren drei Podcastfolgen betrachten wir diese Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Andreas Renz verbindet seine Erfahrungen aus dem Profieishockey mit Breathwork, Emotionen und menschlicher Führung. Christian Redl zeigt, was der Umgang mit Luftanhalten, Unbehagen und innerem Dialog über Selbsteinschätzung und Fokus lehren kann. Im abschließenden Kabinengeflüster ordnen wir beide Gespräche ein und verbinden sie mit einer Reflexionsübung.
Der Übergang zum September wird dabei schnell sichtbar: Wer den Atem nutzt, um sich selbst bewusster wahrzunehmen, begegnet früher oder später auch der Frage, wer jenseits von Ergebnissen und Rollen hinter der sportlichen Leistung steht. Genau dort beginnt eine breiter aufgestellte, stabilere Identität.
Atem, Emotionen und Identität – Was wir aus den drei Folgen mitnehmen können
Der Atem kann eine Pause zwischen Reiz und Reaktion schaffen. Nicht, weil er jedes Problem löst, sondern weil bewusste Aufmerksamkeit einen kurzen Moment Orientierung geben kann. Besonders kleine Routinen sind alltagstauglich: vor einem Elfmeter, nach einem Fehler, in einer hitzigen Teamansprache oder auf dem Weg in den Wettkampf.
Mentale Stärke bedeutet dabei nicht, Wut, Unsicherheit oder Anspannung wegzuatmen. Andreas Renz macht deutlich, dass Emotionen zunächst wahrgenommen werden müssen, bevor wir konstruktiv mit ihnen umgehen können. Auch Führung profitiert davon: Ehrlichkeit, Fairness und Vertrauen schaffen eher Entwicklung als Kontrolle von oben herab.
Christian Redls Erfahrungen aus dem Freitauchen zeigen, wie deutlich innere Gedankenmuster werden können, sobald Unbehagen entsteht. Für den Alltag lässt sich daraus keine Aufforderung zu langen Atempausen ableiten. Der wertvolle Gedanke liegt vielmehr darin, die eigene Reaktion zu beobachten: Werde ich hektisch? Bewerte ich mich sofort? Oder kann ich mich neu ausrichten und bewusst handeln?
Damit führt das August-Thema direkt in den September. Atemtechniken können in einzelnen Momenten unterstützen. Wenn der eigene Selbstwert jedoch ausschließlich an Leistung, Ergebnissen oder der Rolle im Team hängt, braucht es mehr als eine Regulationstechnik. Beziehungen, Werte, Interessen, Bildung und persönliche Stärken bilden zusätzliche Säulen – ohne dem Sport etwas von seiner Bedeutung zu nehmen.
Unser Impuls: Nimm dir nach dem nächsten Training zwei Minuten Zeit. Beobachte zuerst deinen Atem, ohne ihn zu verändern. Frage dich anschließend: Was hat mich heute getragen – und welche Stärke davon bleibt auch dann bestehen, wenn der Sport gerade keine Leistung von mir fordert?
👉 Hör in die drei August-Folgen rein und entdecke, welche Rolle Atmung, innere Ausrichtung und Identität für deine mentale Stärke spielen können.
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142 – Vom Eis in die innere Welt – Andreas Renz über Breathwork, Spiritualität und Sport
Zum Auftakt spricht Phil mit Andreas Renz, ehemaligem Eishockeyprofi, Nationalspieler und Olympiateilnehmer. Heute arbeitet Andreas als Coach, Autor und Speaker mit einem Schwerpunkt auf Körperarbeit, Beziehungen und Breathwork.
Er erklärt, was bewusst verbundene Atmung bedeutet und warum er den Atem als Verbindung zwischen Körper, Gedanken und Gefühlen versteht. Dabei geht es nicht nur um intensive Sessions. Schon kleine Routinen, beispielsweise ein bewusst verlängertes Ausatmen, können in stressigen Momenten eine Pause schaffen und dabei helfen, klarer zu handeln.
Außerdem spricht Andreas über Wut, Aggression und Führung. Emotionen müssen nicht verdrängt werden, sondern können konstruktiv genutzt werden, wenn wir sie wahrnehmen und einordnen. Ehrlichkeit, Fairness und Vertrauen sind für ihn die Grundlage menschlicher Führung.
143 – Luft anhalten, Kopf verstehen – Was Atmung mit mentaler Stärke macht
Christian Redl ist professioneller Freitaucher, mehrfacher Weltrekordhalter sowie Atem- und Mentaltrainer. In der Folge erklärt er, warum Luftanhalten für ihn vor allem eine Begegnung mit dem eigenen Kopf ist.
Wenn Unbehagen entsteht, werden Gedanken, Erwartungen und Selbstzweifel besonders deutlich. Christian zeigt, wie der bewusste Umgang mit der Atmung die Konzentration und Selbsteinschätzung unterstützen kann – nicht nur beim Tauchen, sondern auch in Drucksituationen im Teamsport.
Die Folge macht zugleich klar: Apnoe-Training gehört in einen sicheren, fachlich begleiteten Rahmen. Intensive Hyperventilation und lange Atempausen sind keine Alltagsübung und dürfen besonders im Wasser, beim Autofahren oder bei anderen riskanten Tätigkeiten niemals durchgeführt werden.
144 – Mehr als Luft holen – Die mentale Kraft der Atmung
Im Kabinengeflüster blickt das SpoMind-Team auf die beiden Interviews zurück und teilt eigene Erfahrungen mit bewusster Atmung. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Impulse sich wirklich in Training und Alltag übertragen lassen.
Eine kleine Reflexionsübung verbindet Atemwahrnehmung mit Selbstbeobachtung. Dadurch wird die Atmung nicht zum Leistungsversprechen, sondern zu einem praktischen Einstieg: kurz ankommen, den eigenen Zustand wahrnehmen und bewusster entscheiden.
Für Lene ist es zugleich der letzte Auftritt im Podcast, da sie sich einer neuen beruflichen Herausforderung widmet. Wir bedanken uns für ihre Zeit, ihre Perspektiven und viele besondere Folgen.
Eine kurze Atem-Reflexion für Training und Alltag
Setze oder lege dich bequem hin und lass den Atem zunächst ruhig fließen. Wenn es sich angenehm anfühlt, atme etwa vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus. Ein bestimmtes Tempo ist kein Muss – wähle einen Rhythmus, der sich natürlich und ohne Druck anfühlt.
Frage dich nach einigen Atemzügen: Was spüre ich gerade im Körper? Welcher Gedanke ist am lautesten? Was ist der nächste hilfreiche Schritt? Schon wenige Minuten können als bewusste Pause dienen.
Wichtig: Atemübungen niemals erzwingen. Bei Schwindel, Kribbeln, Atemnot oder Unwohlsein beenden und normal weiteratmen. Intensive Atemtechniken und lange Atempausen gehören in fachkundige Begleitung.
Ausblick auf September: Wer bin ich ohne meinen Sport?
Sport kann Struktur, Gemeinschaft, Selbstvertrauen und Sinn geben. Schwierig wird es, wenn die eigene Identität fast ausschließlich von Leistung, Ergebnissen oder der Rolle im Team abhängt. Verletzungen, Niederlagen und Karriereübergänge können diese Grundlage plötzlich ins Wanken bringen.
Eine breiter aufgestellte Identität nimmt dem Sport nichts von seiner Bedeutung. Freundschaften, Familie, Werte, Interessen, Bildung und Engagement schaffen zusätzliche Stabilität. Im September beschäftigen wir uns deshalb mit der Frage, welche Rollen und Stärken uns auch dann tragen, wenn der Sport einmal nicht im Mittelpunkt steht.
Unser Reflexionsimpuls: Welche drei Dinge beschreiben dich, ohne dass du deinen Sport oder deine Leistung nennst?




